Fritz Hansen Serie 7: So erkennen Sie ein Original

|Johannes Wolf
Fritz Hansen Serie 7, Modell 3107 – Lackwerk Nr. 03 Gletscher, JWolf Studio

Die Serie 7 von Arne Jacobsen ist der meistverkaufte Stuhl der dänischen Moderne – und einer der am häufigsten kopierten. Wer einen gebrauchten 3107 kauft, sollte drei Dinge prüfen: das Label, die Schale und das Gestell. Hier ist, worauf wir im Atelier achten.

Zimmer 606 im SAS Royal Hotel Kopenhagen, eingerichtet von Arne Jacobsen, 1960
Zimmer 606, SAS Royal Hotel, Kopenhagen (1960). Das einzige Zimmer des Hauses, das noch so eingerichtet ist, wie Arne Jacobsen es entworfen hat. Foto: Daniel Lorentzen / Unsplash

1955: Ein Stuhl aus einer Schale

Arne Jacobsen entwirft die Serie 7 im Jahr 1955 für Fritz Hansen. Das Modell 3107 ist die vierbeinige, stapelbare Grundform: eine einzige Schale aus Formschichtholz, auf ein verchromtes Stahlrohrgestell gesetzt. Die Form ist so reduziert, dass jede Abweichung auffällt – das macht Originale erkennbar.

Fünf Jahre später richtet Jacobsen in Kopenhagen das SAS Royal Hotel ein, bis zum Türgriff. Schwan und Ei entwirft er eigens für dieses Haus, die Serie 7 steht in den Zimmern: Möbel, die für Räume gedacht waren, nicht für Kataloge. Das erklärt, warum die Proportionen auch nach siebzig Jahren stimmen.

Das Label unter der Schale

Fritz Hansen kennzeichnet jeden Stuhl unter der Sitzfläche. Je nach Produktionszeit ist das ein geprägtes Papierlabel, ein Metallschild oder ein eingebrannter Stempel mit Produktionsjahr. Ab den 2000er-Jahren kommt ein Label mit Modellbezeichnung und Herstellungsdatum hinzu, neuere Stühle tragen zusätzlich eine Signatur von Arne Jacobsen im Label.

Fehlt jede Kennzeichnung, ist Vorsicht angebracht. Ein Label kann abgelöst sein – dann sollte der Rest der Konstruktion umso genauer stimmen.

Fritz Hansen Serie 7, Lackwerk Nr. 03 Gletscher – Schale von der Seite
Fritz Hansen Serie 7, Lackwerk Nr. 03 Gletscher – Gestell und Schalenunterseite
Serie 7, Modell 3107, Lackwerk Nr. 03 Gletscher. Schale und Gestell – die beiden Stellen, an denen sich ein Original zeigt. Foto: JWolf Studio

Die Schale: neun Lagen

Die Schale eines Originals besteht aus neun Lagen Furnier, unter Druck und Hitze in eine dreidimensionale Form gepresst. Die Lagen sind an der Schalenkante sichtbar. Nachbauten arbeiten häufig mit sieben Lagen oder dickeren Furnieren – die Kante wirkt dann gröber, die Schale weniger elastisch.

Ein weiteres Detail: die Taille. Beim Original ist der Übergang zwischen Sitz und Rücken eng und sauber gerundet. Kopien sind an dieser Stelle oft breiter, weil die enge Biegung in der Fertigung anspruchsvoll ist.

Schwan von Arne Jacobsen, Lederdetail mit Patina, Kopenhagen
Der Schwan (1958), Leder mit Patina. Jacobsens Formen verzeihen Alter – was sie nicht verzeihen, ist eine falsche Proportion. Foto: Joakim Nådell / Unsplash

Das Gestell: Rohr, Schrauben, Kappen

Das Gestell besteht aus verchromtem Stahlrohr mit 12 Millimetern Durchmesser. Es ist mit vier Schrauben von unten an einer Halterung befestigt, die mit der Schale verklebt ist. Die Füsse tragen Kunststoffkappen. Dünnere Rohre, sichtbare Schweissnähte an ungewohnter Stelle oder Gestelle, die mit der Schale verschraubt statt verklebt sind, sind Warnsignale.

Zustand ehrlich beurteilen

Ein Original darf Gebrauchsspuren haben. Feine Kratzer im Lack, leichte Verfärbung des Furniers, Patina am Chrom – das gehört zu einem Stuhl, der jahrzehntelang benutzt wurde. Entscheidend ist die Substanz: Die Schale darf nicht delaminieren, das Gestell nicht verbogen sein, die Halterung nicht gelöst.

Zimmer 606, SAS Royal Hotel Kopenhagen: Holzpaneel und Leuchte von Arne Jacobsen
Zimmer 606, Detail: Holz, Leuchte, Textil – alles aus einer Hand. Foto: Daniel Lorentzen / Unsplash

Wie wir prüfen

Jeder Serie-7-Stuhl, der durch unser Atelier in Tägerwilen geht, wird auf diese Punkte geprüft und fotografisch dokumentiert: Label, Schalenkante, Gestell, Halterung. Das Ergebnis halten wir in der Produktbeschreibung fest – und bei unserer Serie Lackwerk zusätzlich im Echtheitszertifikat, das jedem neu gefassten Original beiliegt.

Fragen zu einem Stuhl, den Sie besitzen oder kaufen möchten? Schreiben Sie uns an jwolf@jwolfstudio.com – wir schauen gerne hin.