Die Serie 7 von Arne Jacobsen ist der meistverkaufte Stuhl der dänischen Moderne – und einer der am häufigsten kopierten. Wer einen gebrauchten 3107 kauft, sollte drei Dinge prüfen: das Label, die Schale und das Gestell. Hier ist, worauf wir im Atelier achten.

1955: Ein Stuhl aus einer Schale
Arne Jacobsen entwirft die Serie 7 im Jahr 1955 für Fritz Hansen. Das Modell 3107 ist die vierbeinige, stapelbare Grundform: eine einzige Schale aus Formschichtholz, auf ein verchromtes Stahlrohrgestell gesetzt. Die Form ist so reduziert, dass jede Abweichung auffällt – das macht Originale erkennbar.
Fünf Jahre später richtet Jacobsen in Kopenhagen das SAS Royal Hotel ein, bis zum Türgriff. Schwan und Ei entwirft er eigens für dieses Haus, die Serie 7 steht in den Zimmern: Möbel, die für Räume gedacht waren, nicht für Kataloge. Das erklärt, warum die Proportionen auch nach siebzig Jahren stimmen.
Das Label unter der Schale
Fritz Hansen kennzeichnet jeden Stuhl unter der Sitzfläche. Je nach Produktionszeit ist das ein geprägtes Papierlabel, ein Metallschild oder ein eingebrannter Stempel mit Produktionsjahr. Ab den 2000er-Jahren kommt ein Label mit Modellbezeichnung und Herstellungsdatum hinzu, neuere Stühle tragen zusätzlich eine Signatur von Arne Jacobsen im Label.
Fehlt jede Kennzeichnung, ist Vorsicht angebracht. Ein Label kann abgelöst sein – dann sollte der Rest der Konstruktion umso genauer stimmen.


Die Schale: neun Lagen
Die Schale eines Originals besteht aus neun Lagen Furnier, unter Druck und Hitze in eine dreidimensionale Form gepresst. Die Lagen sind an der Schalenkante sichtbar. Nachbauten arbeiten häufig mit sieben Lagen oder dickeren Furnieren – die Kante wirkt dann gröber, die Schale weniger elastisch.
Ein weiteres Detail: die Taille. Beim Original ist der Übergang zwischen Sitz und Rücken eng und sauber gerundet. Kopien sind an dieser Stelle oft breiter, weil die enge Biegung in der Fertigung anspruchsvoll ist.

Das Gestell: Rohr, Schrauben, Kappen
Das Gestell besteht aus verchromtem Stahlrohr mit 12 Millimetern Durchmesser. Es ist mit vier Schrauben von unten an einer Halterung befestigt, die mit der Schale verklebt ist. Die Füsse tragen Kunststoffkappen. Dünnere Rohre, sichtbare Schweissnähte an ungewohnter Stelle oder Gestelle, die mit der Schale verschraubt statt verklebt sind, sind Warnsignale.
Zustand ehrlich beurteilen
Ein Original darf Gebrauchsspuren haben. Feine Kratzer im Lack, leichte Verfärbung des Furniers, Patina am Chrom – das gehört zu einem Stuhl, der jahrzehntelang benutzt wurde. Entscheidend ist die Substanz: Die Schale darf nicht delaminieren, das Gestell nicht verbogen sein, die Halterung nicht gelöst.

Wie wir prüfen
Jeder Serie-7-Stuhl, der durch unser Atelier in Tägerwilen geht, wird auf diese Punkte geprüft und fotografisch dokumentiert: Label, Schalenkante, Gestell, Halterung. Das Ergebnis halten wir in der Produktbeschreibung fest – und bei unserer Serie Lackwerk zusätzlich im Echtheitszertifikat, das jedem neu gefassten Original beiliegt.
Fragen zu einem Stuhl, den Sie besitzen oder kaufen möchten? Schreiben Sie uns an jwolf@jwolfstudio.com – wir schauen gerne hin.